Abkürzungsstreit: NBZ oder NuBA?

Abkürzung NBZ oder NuBA fürs Naturschutz- und Bildungszentrum Alfsee? Diese Frage entwickelte sich im Feuerwehr-Ausschuss der Samtgemeinde zum Zankapfel.

Kurz vor Beginn der Ausschusssitzung. Der Ausschuss hat 11 Mitglieder: 5 Gruppe CDU/FDP, 2 UWG Ankum, 2 Gruppe SPD/Bürgerliste Alfhausen, 1 Bündnis90/Die Grünen und 1 UWG Samtgemeinde.

Ein kommentierender Beitrag von Rita Stiens.

Reichlich Verärgerung beim Tagesordnungspunkt 3 („Festlegung eines Logos für das Naturschutz- und Bildungszentrum am Alfsee in Rieste“) in der Sitzung des Samtgemeinde-Ausschusses für Feuerwehren, Umwelt, Soziales, Wirtschaft, Tourismus und Kultur am 16. Mai. Warum? Weil die Frage NuBA als Abkürzung oder NBZ zur Sprache kam.

 

„NuBA, das wäre eine Katastrophe gewesen“.

Die Bauarbeiten für das Naturschutz- und Bildungszentrum Alfsee laufen noch. Sie sind aber schon weit gediehen, zeigte sich jüngst beim Besuch des niedersächsischen Umweltministers Olaf Lies, und sie berechtigen zu der Hoffnung, dass unsere Region demnächst um ein „Leuchtturmprojekt“ und ein attraktives Ausflugsziel reicher ist.

„Genau das, was wir brauchen“, sagte am 8. Mai Umweltminister Olaf Lies ( 2. von links) zum Naturschutz- und Bildungszentrum am Alfsee. Hier mit Horst Baier (links) und Jürgen Christiansen, Leiter der Biologischen Station Haseniederung e. V., die zuständig ist für die pädagogische Arbeit.

Während das Große entsteht, behakte man sich im Feuerwehr-Ausschuss wegen einer Buchstabenfolge: NBZ als Abkürzung oder NuBa. NuBA – das geht für Dirk Raming (UWG Ankum) gar nicht. Hätte man sich für NuBA entschieden, sagte er nach der Sitzung am Donnerstag, wäre das „eine Katastrophe gewesen“.

Warum so viel Eifer im Kampf gegen NuBA? Weil NuBA mit NABU verwechselt werden könnte – mit dem Naturschutzbund. Er habe sich anhören müssen, so Dirk Raming, die Samtgemeinde würde mit dem Alfseeprojekt dem Naturschutzbund „eine Menge Geld hinterher werfen“, was ja nicht stimme. Würden solche Kritiker, die Falsches in die Welt setzen, verstummen oder gar zu Unterstützern des Alfseeprojekts, wenn statt NuBA ein NBZ die Abkürzung wäre?

Der faszinierenden Welt der Zugvögel wird ein Teil der Ausstellung gewidmet sein. © planios.

 

Schreckgespenst Naturschutzbund?

Wie groß ist überhaupt die Verwechslungsgefahr? Gar nicht in Betracht gezogen wird bei Vertretern dieser These z. B., dass ein NuBA, wenn es mit seinen Angeboten und seiner Ausstellung erst einmal eröffnet ist, eine eigene prägende Wirkung entfalten und damit immer unverwechselbarer werden würde.

© www.nabu.de

Und was wäre so schlimm, wenn denn tatsächlich jemand bei NuBA an den Naturschutzbund dächte? Der Verein Naturschutzbund Deutschland ist 120 Jahre alt. Gegründet wurde er 1899 als „Bund für Vogelschutz“ – von einer Frau, von Lina Hähnle. Er ist der älteste und mit seinen über 700.000 Mitgliedern auch mitgliederstärkste Umweltverband in Deutschland.

Gegner des Naturschutzbundes gibt es sicherlich, aber er hat auch, über die Mitglieder hinaus, viele Freunde, die gerne bei Projekten mitmachen wie Vögel zählen, Strände und Flussufer reinigen, die zu Birdwatching-Terminen kommen usw.

Das Projekt lief von Anfang an unter dem Kürzel NuBA. Nun wird NuBA durch „nbz Alfsee“ ersetzt.

Ablehnung für NuBA aber nicht nur bei Dirk Raming. Ein Nein dazu z. B. auch von Axel Meyer zu Drehle (CDU). Seine Fraktionskollegin Heike Menslage konnte sich weder für NuBA noch NBZ erwärmen. Gar keine Beachtung fand dagegen bei der Debatte, was zuvor die zur Sitzung eingeladenen Fachplaner zu NuBA und NBZ an Argumenten vorgebracht hatten.

 

Ungehaltenheit.

Die Geladenen waren der Dipl.-Biologe Norbert Niedernostheide von planios (Gesellschaft für Umweltkommunikation) und Stefan Michaelsen (Dipl. Des. Kommunikationsdesign) – und damit die beiden Männer, die das Alfseeprojekt inhaltlich von Anfang an konzipierten und die derzeit die Realisierung der großen Ausstellung begleiten.

Dass die Verwaltung die beiden Fachleute eingeladenen hatte, um ihre Argumente einzubringen, wurde von so einigen Ausschussmitgliedern offensichtlich als Affront empfunden. So blitzte bei Heike Menslage Ungehaltenheit darüber auf, dass die Abkürzungsfrage in dieser Sitzung überhaupt zum Thema wurde. Da sei doch schon entschieden worden.

Norbert Niedernostheide (links): In dieser Halle wird in den kommenden Wochen die von ihm und Stefan Michaelsen konzipierte Ausstellung entstehen.

Wie klartext auf Nachfrage nach der Sitzung erfuhr, hatte man sich im März im Rahmen einer nicht öffentlichen Sitzung – im Verwaltungsausschuss – darüber verständigt, NuBA nicht als Abkürzung zu verwenden. Niedernostheide und Michaelsen waren bei ihrer Arbeit am Logo jedoch zu der Überzeugung gelangt, dass es mit der vorgeschlagenen Alternative, der Abkürzung NBZ, weniger gut gelingen würde, ein Logo mit positiv-identitätsstiftender Wirkung zu schaffen.

 

Keine Bereitschaft, sich mit den Argumenten zu befassen.

Für die Verwaltung waren die Argumente der Experten, die zuvor im Rahmen einer Logo-Arbeitsgruppe eingebracht wurden, so gewichtig, dass man sich entschied, ihnen Gelegenheit zu geben, sie dem Ausschuss zu unterbreiten.

Zur großen Ausschussrunde gehörten auch Samtgemeindebürgermeister Dr. Horst Baier (2. v. li.), der Erste Samtgemeinderat Andreas Güttler (nicht im Bild) und Reinhold Heidemann (hinten, 2. v. rechts), Leiter des Fachdienstes Bauen.

Und so präsentierten die Referenten Fachwissen, festgemacht z. B. an Kriterien wie Merkbarkeit oder Sympathie. Allein schon wegen zahlreicher anderer Abkürzungen, die auf Z enden, war eines der Argumente, sei NBZ schlechter merkbar und zudem wegen seines eher kühlen Charakters auch kein Sympathieträger. Sie verglichen NBZ und NuBA anhand verschiedener Parameter mit dem Ergebnis: Die Abwägung spricht für NuBA.

Die Pro-NuBA-Argumente der Fachplaner liefen jedoch ins Leere, weil es an der Bereitschaft fehlte, sich überhaupt darauf einzulassen. Es wurde im März gegen NuBA entschieden und daran wird nicht gerüttelt, war da z. B. als Position auszumachen. Markus Revermann (UWG Samtgemeinde) brachte als Verärgerung vor, es stünde jetzt ein ganz anderes Thema zur Debatte, als aus der Tagesordnung ablesbar gewesen sei. Er habe erwartet, dass man mehrere Logos zu sehen bekomme, statt dessen würde nun wieder NuBa als Abkürzung zur Sprache gebracht.

Was macht den Alfsee aus und wie wurde er zu dem, was er ist? Erlebbar wird das demnächst im Naturschutz- und Bildungszentrum auf dem Alfsee-Deich. © planios.

 

Am Ende die Lösung: „nbz Alfsee“

Auch wenn sich die Ausschussmitglieder nicht mit den Pro-NuBA-Argumenten befassten: In einem Punkt folgten sie Norbert Niedernostheide und Stefan Michaelsen. Wenn es NBZ sein soll, gehörte zu den Empfehlungen der beiden, dann nicht in Großbuchstaben geschrieben, sondern in Kleinbuchstaben, und es solle das Wort Alfsee hinzugefügt werden. Die Abkürzungsform solle „nbz Alfsee“ sein und auch nur in dieser Form als Kürzel verwendet werden. Das stieß im Ausschuss auf Zustimmung.

Es war ein langer Weg, bis der Samtgemeinderat grünes Licht gab für dieses Projekt, und die Abkürzungsfrage dürfte den letzte Akt markieren. Das Naturschutz- und Bildungszentrum, sagte Horst Baier im Interview mit klartext, „war eines der schwierigsten Projekte in meiner bisherigen Amtszeit mit unzähligen Gesprächen auf allen Ebenen (mehr dazu hier). Mit der Eröffnung dieser neuen Alfsee-Attraktion ist im Herbst zu rechnen.

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