Live-Versteigerung bei Ratermann

Das Ende einer Ära – und ein ungewöhnliches Ereignis: Die Versteigerung bei Ratermann. Dort kamen am Samstag fast 700 Positionen und damit einige tausend kleinerer und größerer Objekte zum Aufruf.

Unter der Regie von Auktionator Frank Abromeit kam alles im Ladengeschäft Ratermann unter den Hammer.

Mit der Versteigerung am Samstag (13. April) fiel der letzte Vorhang für Ratermann – nach einer 107-jährigen Geschichte und nach vielen Jahren, in denen Ursula Coenen Herz & Seele dieses Traditionshauses der schönen Tisch- und Haushaltskultur war.

Schilder des Auktionshauses Abromeit wiesen den Weg zur Versteigerung bei Ratermann.

 

Freiwillig. Tränen in den Augen. So einiges geklaut.

Bevor der Meller Auktionator Frank Abromeit zum Hammer griff, erinnerte er in seinen einführenden Worten auch an die Geschichte dieses Hauses und seine Bedeutung für Ankum. Abromeit unterstrich, dass es sich bei dieser Versteigerung um eine freiwillige handle und nicht um eine Maßnahme wie eine Zwangsversteigerung. Er habe, so der Auktionator, an diesem Morgen noch mit Ursula Coenen gesprochen, die das Geschäft aus Altersgründen aufgibt, und da habe er auch Tränen in den Augen gesehen.

Das Publikum zu Beginn der Versteigerung.

Abromeit erinnerte auch an das Engagement der Familie Coenen und damit an den verstorbenen Politiker Reinhold Coenen für Ankum und die Region. „Erschreckend“ und „sehr, sehr traurig“ fand der Auktionator, dass man feststellen musste, dass am Tag vor der Versteigerung, als die Positionen bereits zusammengestellt waren, noch „geklaut“ wurde, so bei Kinderspielzeug.

Posten C 155 – ein Service von Villeroy & Boch aus der Serie Cellini – edles Porzellan mit zartem Relief.

 

Zum Ersten, zum Zweiten und zum Dritten…

Bevor Frank Abromeit gegen 11 Uhr erstmalig zum Hammer griff, konnten sich die Versteigerungs-Teilnehmer ab 9 Uhr ansehen, was da zum Aufruf kommen würde. Alles in allem waren Tausende Gegenstände für ein schöneres Zuhause zu fast 700 Positionen zusammengefasst worden, angefangen von Position 1 (8 Blockkerzen) über Position 155 (komplettes Service von Villeroy & Boch), Position 475 (5 Stofftiere) bis hin zu Ladeneinrichtung wie den Präsentationswänden und einer Registrierkasse (Position 681).

Über viele Seiten waren im Katalog zur Auktion alle Posten aufgelistet.

Bei der Versteigerung dabei waren die im Raum Anwesenden, aber auch Bieter, die über ein Formular Angebote abgegeben hatten und persönlich nicht anwesend waren. 10 € kostete die Bieterkarte und damit die Teilnahme an der Auktion.

 

Posten für Posten, darunter Kostbarkeiten.

Bei den vielen Posten war zügiges Abarbeiten geboten. Und so senkte sich der Hammer in schnellem Takt. Geschirr nahm viel Raum auf der Angebotsliste ein, darunter Erstklassiges wie z. B. Musselmalet-Service von Königlich Kopenhagen (Royal Copenhagen).

Die Musselmalet-Serien wurden bereits 1770 entwickelt und waren die erste Kollektion, die Royal Copenhagen 1775 fertigte. Im Jahr 2000 kreierte die  junge Designerin Karen Kjaeldgård-Larsen eine zeitgemäße Version, inspiriert von den Entwürfen des 18. Jahrhunderts. Was im Zuge der Auktion an Erlesenem nicht vergeben wurde, dürfte später noch bei Sammlern und Liebhabern einer Spitzen-Tischkultur auf Interesse stoßen.

Bürgermeister Detert Brummer-Bange (links) schaute sich das Auktionsgeschehen für eine Weile an.

Unterschiedliches Publikum in den drei Stunden, darunter auch einige (allerdings wenige) aus dem engeren heimatlichen Raum, so aus Ankum, Eggermühlen, Bersenbrück. Ruhige Routine über weite Strecken, aber auch spürbar wacheres Interesse bei so einigen Positionen.

Griffbereit: der Hammer.

Ganz zum Schluss z. B. bei einer ca. 2 m langen Modelleisenbahnplatte, für die sich mehrere Bieter interessierten, sodass ein schriftlich eingegangenes Angebot deutlich übertroffen wurde. Bei Ratermann steht auch noch eine Vitrine voller Modelleisenbahnteile. Deren Inhalt wird jedoch, so Auktionator Abromeit, in eine andere Auktion einfließen, denn sein Auktionshaus bereitet derzeit einen Posten von 3.000 Teilen auf. Für Eisenbahn-Fans und -Sammler dürfte diese in Aussicht gestellte Auktion dann von besonderem Interesse sein.

Gegen Mittag waren  einige bereits gegangen und neue Interessierte hinzugekommen.

Bis zum Tag vor der Versteigerung stand Ursula Coenen noch selbst im Laden. Mit dem letzten Hammerschlag – das war eine Espressotasse von Rosenthal – wurde nun der endgültige Abschied von Ratermann besiegelt. Nur zu verständlich, dass sie bei der Versteigerung  nicht mit dabei sein wollte.

 

Der neue Hausherr: Die Gemeinde Ankum.

Im Ort wiesen Schilder den Weg zur Auktion.

Die Immobilie Ratermann ist seit Jahresanfang im Besitz der Gemeinde Ankum. Ursula Coenen war froh darüber, dass sie den Räumungsverkauf im Einvernehmen mit der Gemeinde bis in den April hinein verlängern konnte. In den nächsten Tagen, so der Auktionator, kann Ersteigertes abgeholt werden und es wird vom Keller bis zum Dachboden alles geräumt. Danach steht die Schlüsselübergabe an die Gemeinde Ankum an. Als Verteter der Gemeinde konnte Frank Abromeit auch Bürgermeister Detert Brummer-Bange begrüßen, der das Auktionsgeschehen eine Zeitlang verfolgte.

Mit dem Kauf von Ratermann hat sich die Gemeinde Ankum eine Immobilie in zentraler Ortslage an der Hauptstraße gesichert – aus dem „gewichtigen Grund“, so der Bürgermeister damals, „um Einfluss darauf zu haben, wie sich Ankums Ortskern an dieser so prominenten und damit für das gesamte Zentrum so bedeutenden Stelle entwickeln wird“.

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