Gibt’s hier Urnengräber aus der Eisenzeit?

Beim Ankumer Friedhof hat eine spannende Spurensuche begonnen: Die Kreis-Archäologie hofft auf den Fund von Urnen-Grabstätten aus der Eisenzeit (ca. 500 vor Christus).

Ganz nah beim Ankumer Friedhof liegt, hinter den Erdhügeln, die Probegrabung.

Schon kurz nach dem Start der Probegrabung in der letzten Woche – auf einem Grundstück neben dem Ankumer Friedhof – schlug das Herz der Archäologen höher: Sie fanden heiße Spuren, die darauf hindeuten, dass bei einer Grabung Interessantes zum Vorschein kommt. Und so wurde aus einer kleinen Probegrabung gleich mal eine recht große. Das Grundstück gehört der samtgemeindeeigenen Wohnungsbaugesellschaft HaseWohnbau, die dort ein Mehrfamilienhaus errichten will. Nun geht aber erst einmal die Kreis-Archäologie ans Werk.

Horst Baier, Geschäftsführer HaseWohnbau, ließ sich von Axel Friederichs, Chef der Kreis-Archäologie, über den Stand der Dinge unterrichten. Foto: HaseWohnbau.

 

Es könnten die ältesten Funde in der Region sein.

Die Probegrabung verlief unweit der letzten Gräberreihe auf dem Friedhof. Damit bewiesen die wissenschaftlichen Schatzsucher den richtigen Riecher, denn sie stießen schnell auf verheißungsvolle Spuren. Ganz unverhofft kamen die ersten Funde nicht, denn Axel Friederichs, der Leiter der Kreis-Archäologie, hatte sich an einen Bericht von 1892 erinnert, als der benachbarte Friedhof neu angelegt wurde. Damals gab es Hinweise auf Urnen, denen aber keine weitere Beachtung geschenkt wurde. Das ist heute anders.

Mit viel Sorgfalt wird jeder Zentimeter Boden genau unter die Lupe genommen. Foto: HaseWohnbau.

Solche Urnengräber auch in Ankum?

An diesem Dienstag, 17. April, ließ sich Dr. Horst Baier, Geschäftsführer HaseWohnbau, vor Ort über den Stand der Dinge und den weiteren Verlauf informieren. Dazu teilte HaseWohnbau in einer Pressemitteilung mit: „Unter dem Eschboden sind Grabenstrukturen gefunden worden, die auf die Existenz von Verbrennungsplätzen aus der Eisenzeit hinweisen. Damit ist die Fundstelle einer der ältesten dieser Art in der Region – aus der Zeit von ca. 500 Jahren vor Christus. Die Anlage der Kirchburg von Ankum wird erst sehr viel später, um die Zeit vor 1100 nach Christus, datiert. Friederichs hofft auf den Fund von Urnen aus der Eisenzeit. Er vermutet, dass es sich hier um ein Langbett mit einem Hügel handelt, auf dem die Verbrennungen früher stattgefunden haben.“

Vorne Zeugnisse christlicher Bestattungskultur, dicht dahinter vielleicht eine Begräbnisstätte aus vorchristlicher Zeit.

 

Historisch wichtig – kostet aber Zeit und Geld.

Was die Archäologen begeistert – mit der Grabung zu beginnen – bedeutet für den Grundstückseigentümer HaseWohnbau Kosten und möglicherweise Korrekturen am Bau-Zeitplan. Für Horst Baier ist die Nachricht von ersten Funden „zwar historisch sehr bedeutend, als Investor muss die HaseWohnbau aber nach dem Niedersächsischen Denkmalschutzgesetz für die Kosten der Grabungen aufkommen. Die Mehrkosten ließen sich nur schwer auf die Mieter umlegen, zumal die HaseWohnbau sich günstige Mieten zum Ziel gesetzt hat, führt Baier aus. Zumindest können die Mieter davon ausgehen, dass der Bau später auf keinen alten Gräbern steht, so Baier.

Verfärbungen im Boden gehören zu den Hinweisen auf Verbrennungs- und Bestattungsplätze aus der Eisenzeit. Foto: HaseWohnbau.

Nach wie vor Hoffnung auf einen Baubeginn im September.

HaseWohnbau plant den Bau von 14 Wohnungen.

Derzeit laufen noch die Probegrabungen des Teams der Kreis-Archaölogie weiter. Ab Juni sollen dann die Grabungen großflächig mit bis zu 5 Personen durchgeführt werden. Die Kreis-Archäologie schätzt die Grabungszeit auf bis zu 8 Wochen.

Horst Baier hofft immer noch auf einen Baubeginn im September diesen Jahres. Sollten sich wirklich Urnen finden, kann sich Baier auch eine dauerhafte Präsentation der Fundstücke an einem geeigneten Ort in Ankum vorstellen.

Die Stadt- und Kreisarchäologie führt Ausgrabungen in Stadt und Landkreis Osnabrück durch und wertet die Ergebnisse wissenschaftlich aus; Funde werden geborgen, konserviert und restauriert. Außerdem kümmert sie sich um den Schutz archäologischer Fundstellen und die Erhaltung und Pflege von archäologischen Denkmalen, zum Beispiel des Steingräberwegs Giersfeld in Ankum-Westerholte.

Am heutigen Dienstagnachmittag: Betrieb bei der Probegrabung.

 

Bestattungssitten: So einige Fundstätten in und um Ankum.

Schon die großen Steingräber wie z. B. in Ankum-Westerholte zeigten, dass es, je nach Alter und Landstrich, unterschiedliche Bestattungssitten gab wie Bestattungen in Gruben, Bestattungen auf der Erdoberfläche in Baumsärgen, in sog. Steinkisten oder in hölzernen Einbauten innerhalb des Hügels. Der Bestattungskultur der Mittleren Bronzezeit folgte dann die Urnenfelderkultur.

Ausflugsziele Großstein-Gräber. Schilder mit dem Text „Straße der Megalithkultur“ weisen hier an vielen Stellen auf Grabstätten hin, die mehrere 1.000 Jahre alt sind – auf die Großstein-Gräber in Ankum-Westerholte, nahe Kettenkamp oder in Eggermühlen-Döthen. Einen ausführlichen Bericht dazu gibt es hier.

 

Sehr beeindruckend: Diese Hünengrab-Stätte am 1 km langen Rundweg beim Golfplatz in Ankum.

 

 

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