Steuerkraft: Wo steht Bersenbrück, wo Ankum?

2016 war Ankum die Nr. 1, 2018 soll Bersenbrück die höchste Steuerkraft haben. Auf Einwohner umgerechnet, liegt das um 995 Einwohner kleinere Ankum jedoch klar vor Bersenbrück.

Um gut 331.000 € und damit um 4,3 % soll Bersenbrücks Steuerkraftzahl in diesem Jahr über der von Ankum liegen.

 

Die beiden größten Orte der Samtgemeinde – Bersenbrück und Ankum – liegen bei der Wirtschaftskraft dicht beieinander. Einwohnermäßig* hat Bersenbrück (8.436 Ew.) klar die Nase vorn. Ankum (7.441 Ew.) hat 995 Einwohner weniger. Was die Wirtschaftskraft angeht, zeigt der Vergleich, ist es um die Gemeinde Ankum aber trotz der geringeren Größe gut bestellt.

 

Steuerkraft 2018: Ankum 1.045 € pro Ew., Bersenbrück 961 € pro Ew.

Auskunft über die Wirtschaftskraft einer Gemeinde gibt alljährlich eine Zahl: die Steuerkraftzahl. Im Jahr 2016 lag Ankum mit 6,2 Mio. € bei der Steuerkraft um fast 437.000 € vor Bersenbrück (5,7 Mio. €). Auf Einwohner umgerechnet hieß das: Ankum hatte eine Steuerkraft pro Einwohner von 826 €, Bersenbrück von 678 €.

 

 

Nach den Zahlen für 2018 wird Bersenbrück in diesem Jahr bei der Steuerkraft den Spitzenplatz einnehmen – mit 8,1 Mio. €. Mit 7,8 Mio. € bliebe Ankum dem Nachbarn jedoch dicht auf den Fersen. Rechnet man die Steuerkraftzahl für 2018 auf die Anzahl der Einwohner um, liegt Ankum vorne: Pro Einwohner läge die Steuerkraft in Ankum bei 1.045 € und in Bersenbrück bei 961 €.

Auf 27,1 Mio. € summieren sich Bersenbrücks Steuerkraftzahlen für die Jahre 2015 bis 2018. Ankum bringt es auf 25,7 Mio. €. Auf die Einwohnerzahl umgerechnet, steht Ankum damit mit 3.454 € pro Einwohner gut da. Bersenbrück kommt auf 3.214 € pro Einwohner.

 

Ankums Einwohner: höhere Einkommen.

Der zweitstärkste Steuerbrocken ist in Bersenbrück wie in Ankum der Anteil an der Einkommensteuer. Der soll 2018 für Ankum bei 2,5 Mio. € liegen, in Bersenbrück bei 2,6 Mio. €. Rechnet man den Einkommensteueranteil auf die Einwohner um, zeigt sich folgendes Bild:

Höhere Einkommen in Ankum.

Ankum pro Einwohner 2016: 301 €, Bersenbrück 282 €.
Ankum pro Einwohner 2017: 309 €, Bersenbrück erneut 282 €.
Ankum pro Einwohner 2018: 336 €, Bersenbrück 304 €.

Die Zahlen zeigen: Um die Einkommen der Ankumer Einwohner ist es besser bestellt als um die der Einwohner von Bersenbrück. Nach den Prognosezahlen für 2019 bis 2021 wird das so bleiben.

2021 soll z. B. der Anteil Einkommenssteuer in Bersenbrück bei 3 Mio. € liegen, in Ankum mit 2,9 Mio. € nur wenig darunter. Pro Einwohner gerechnet liegt Ankum in allen drei Jahren (2019-2021) vorne mit 354 € (Bersenbrück 320 €), 376 € (Bersenbrück 338 €) und 385 € (Bersenbrück 355 €). Zum Einkommensteueranteil tragen auch Bürger bei, die andernorts arbeiten, aber z. B. in Ankum wohnen und dann dort zur Steuerkraft beitragen.

 

Bei der Gewerbesteuer: Gleich bleibende Verhältnisse.

Wer von Ankum aus über die B 214 nach Bersenbrück hineinfährt, sieht ausgedehnte Gewerbeflächen, große Hallen, viele Kreuzungen, für die die Stadt viel Geld ausgegeben hat, Ampel hinter Ampel. Rechts der B 214 die heftig umstrittene Neuansiedlung Kaufland-Markt, eröffnet im Oktober 2015.

Bersenbrücks Gewerbegebiet entlang der B 214.

Wie sieht Bersenbrücks Entwicklung bei der Gewerbesteuer aus – im Verhältnis zu Ankum? Schaut man auf die Jahre 2012 bis 2021 – ein Zeitraum von 10 Jahren – ist im Verhältnis Bersenbrück-Ankum kaum Veränderung auszumachen.

Nach den Zahlen im Haushalt sollen in den Jahren 2016-2018 insgesamt 16,4 Mio. € Gewerbesteuer in die Bersenbrücker Kasse fließen. Ankum im selben Zeitraum: 14,7 Mio. €. Der Unterschied beträgt 1,7 Mio. € oder 567.000 € pro Jahr. Auf die Einwohner umgerechnet, liegt Ankum bei dieser 3-Jahres-Zahl vorne: mit 1.975 € pro Einwohner, Bersenbrück 1.944 € pro Einwohner.

Derzeit wird vom Ober- bis zum Unterdorf viel gebaut.

Dass Bersenbrück bei der Gewerbesteuer in einer Größenordnung von 600.000 € pro Jahr vor Ankum liegt, so in etwa war es bereits in den Jahren 2012 und 2013 – und so soll es nach den Prognosezahlen bis 2021 weiterhin sein.

Stärker absetzen von Ankum kann sich Bersenbrück bei den Gewerbesteuereinnahmen nicht, sagen die in den Haushalten ausgewiesenen Zahlen – auch wenn die ausgedehnten Gewerbegebiete und auch die stärker gestiegene Bersenbrücker Einwohnerzahl anderes vermuten ließen.

Gut 10 % bleiben als Nettoanteil von der Gewerbesteuer in der Gemeinde. Ausgehend von 600.000 € mehr Gewerbesteuer in Bersenbrück bedeutet das ein Plus im Bersenbrücker Haushalt von gut 60.000 € im Vergleich zu Ankum. Ein relatives Plus im Gesamthaushalt, denn in einem Punkt hat sich Bersenbrück stark von Ankum abgesetzt – bei der Verschuldung und damit dann auch bei den zu leistenden Zinszahlungen an die Banken.

 

In 6 Jahren: 1,5 Mio. € Zinszahlungen in Bersenbrück, nur 457.000 € in Ankum.

„Hohe Zinslastquoten“, ist regelmäßig in Haushaltsplänen zu lesen, „haben eingeschränkte Handlungsmöglichkeiten der Gemeinden im Haushaltsjahr und voraussichtlich auch in der Zukunft zur Folge“.

Hoch: Bersenbrücks Zinsbelastung. Quelle/Grafik: Haushaltsplan 2018 für Bersenbrück.

Bersenbrück hat sehr hohe Zinsbelastungen: 2018 müssen 250.000 € für Zinsen aufgebracht werden. Ankum: nur gut 56.000 €. Auch Ankums Schuldenstand steigt (mehr dazu hier), doch die Unterschiede bleiben groß.

Während Bersenbrück in 6 Jahren (2016-2021) 1,5 Mio. € Zinszahlungen an Kreditinstitute leisten muss, sind es in Ankum nur gut 457.000 €. Damit bleiben in diesem Zeitraum über 1 Mio. € mehr in der Ankumer Kasse. Durch die geringere Zinsbelastung stehen in Ankum somit pro Jahr durchschnittlich fast 175.000 € mehr für eigene Orts-Zwecke zur Verfügung als in Bersenbrück.

Ankum muss sehr viel weniger Zinsen zahlen als Bersenbrück. Quelle: Haushaltsplan 2018 für Ankum.

Die Zahlen zeigen für das einwohnermäßig kleinere Ankum: Um die Wirtschaftskraft ist es weiterhin gut bestellt. Dazu kommt der Vorteil der geringeren Verschuldung. Wirtschaftskraft zu generieren und Zukunft zu gestalten, ist und bleibt jedoch eine Daueraufgabe – in Bersenbrück wie in Ankum.

* Die Einwohnerzahlen, mit denen in diesem Bericht gerechnet wurden, sind die Zahlen, die die Samtgemeinde im Haushaltsplan 2018 ausweist mit Stand 31.12. 2016.

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2 Kommentare

  1. P.Großmann

    Ein wichtiger Punkt fehlt in diesem Bericht: Die Zahl der Pendler, denn es ist auch wichtig zu wissen, in welchem Ort die Ankumer Steuerpflichtigen die höheren Einkommen erzielen, insofern ist eine Aussage zur Wirtschafts-
    kraft der Gemeinde Ankum nur schwer zu treffen. Wie viele Ankumer arbeiten z.B in Bersenbrück oder anderswo.
    Wie hoch ist der Anteil der Bersenbrückef die in Ankum oder in anderen Orten Ihr Einkommen generieren?
    Es bleiben doch einige Fragen offen, deren Beantwortung wichtig wäre, um eine genaue Analyse erstellen
    zu können. Aus meiner Sicht ist der Bericht unvollständig.
    P. Großmann

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