„Wir sind laut, weil ihr uns unsere Zukunft klaut“

Hunderte Schülerinnen & Schüler gingen in Bersenbrück auf die Straße und forderten mehr Klimaschutz. Aufgerufen zur Demo im Rahmen der Bewegung „Fridays for Future“ hatten die Schülervertretungen des Gymnasiums und der Von-Ravensberg-Schule.

Sie forderten nachdrücklich ein, für eine gute Zukunft der jungen Generation zu sorgen.

„Fehlstunden verkraften wir, die Klimakrise eher nicht so“, „uns läuft die Zeit davon“, „es gibt keinen Plan B für den Planeten“: Das waren einige der Slogans, mit denen sich geschätzte 400-450 Schülerinnen und Schüler der beiden weiterführenden Schulen in Bersenbrück am heutigen Freitag unübersehbar und -hörbar zu Wort meldeten. Sie kehrten ihren Schulen ab 11.30 Uhr den Rücken und versammelten sich im Hemke-Stadion, um sich dann als Demonstrationszug zu formieren.

Sammeln zum Demonstrationszug im Hemke-Stadoin.

 

„Wir sind jung, wir sind laut, weil ihr unsere Zukunft klaut!“

Weil die Demo ordentlich angemeldet wurde, war alles bereit für einen geordneten Ablauf. Die Polizei sperrte zeitweise ab, damit die Demo ungehindert vom Hemke-Stadion durch die Bramscher Straße zum Samtgemeinderathaus ziehen konnte.

Eine große Runde Demonstranten, die die Politik in Sachen Klimaschutz lautstark in die Pflicht nahm.

„Wir sind jung, wir sind laut, weil ihr uns unsere Zukunft klaut“, schallte es aus vielen Kehlen. Einsetzen wollten sich die Demonstranten für „mehr Klimaschutz in der Samtgemeinde, Deutschland und der Welt“. Was mit der inzwischen16-jährigen schwedischen Klima-Aktivistin Greta Thunberg begann, wurde zur internationalen Bewegung „Fridays for Future“. Erreicht hat sie nun auch Bersenbrück.

Schlechte Noten für den Klimaschutz erteilten die Jungen den Erwachsenen.

 

Der Politik Beine machen.

Wir, die Jungen, werden die Leidtragenden des Klimawandels sein, halten junge Klima-Aktivisten den Erwachsenen und der Politik bundes- wie weltweit bereits seit Monaten entgegen und fordern, entschiedener und schneller zu handeln, dem Klimaschutz höchste Priorität einzuräumen.

Rechts: Lars Biesenthal und Sebastian Kleine-Kuhlmann.

Mit Nachdruck setzten sich dafür in Bersenbrück auch die beiden Hauptredner bei der Demo, Sebastian Kleine-Kuhlmann für das Gymnasium und Lars Biesenthal, Schüler aus Osnabrück, den die  Von-Ravensberg-Schule als Redner benannt hatte, ein. In anderen Ländern, so Lars Biesenthal, sei der Klimawandel längst angekommen. „Wir sind zu spät“, stellte er fest, und forderte von allen ein Umdenken, so von Eltern und Politikern. Kinder sollen von Eltern lernen, heißt es gemeinhin. Lars Biesenthal hielt dem entgegen, die Eltern könnten von den Jungen lernen, sich „erwachsen zu verhalten“.

Klare Botschaften auch von den noch jüngeren Schülerinnen und Schülern.

Mehr Tempo und entschlosseneres Handel forderte Sebastian Kleine-Kuhlmann beim Kohleausstieg. Was die Politik bislang unter sozialverträglichem Ausstieg versteht, ließ er nicht gelten. Es müsse schneller gehen, so der Schülervertreter des Gymnasiums. Der Sozialstaat müsse Menschen, die ihren Arbeitsplatz verlieren, auffangen, Wenn unsere Lebensgrundlage durch den Klimawandel weg sei, dann sei mit allem Schluss.

 

Baier lud zu einer „Zukunftswerkstatt“ ein.

Direkt mit ihren Forderungen konfrontieren konnten die Schülerinnen und Schüler Samtgemeindebürgermeister Dr. Horst Baier, derzeit auch als Landratskandidat unterwegs, Bersenbrücks Bürgermeister Christian Klütsch und die grüne Kreistagsabgeordnete und Landratskandidatin Anna Kebschull.

Von links: Drei Schülervertreter, die Politiker Anna Kebschull, Bersenbrücks Bürgermeister Christian Klütsch, Samtgemeindebürgermeister Dr. Horst Baier sowie Jan Wojtun (HaseEnergie).

Horst Baier verwies auf die Klima- und Umweltschutzaktivitäten der Samtgemeinde, so auf die Unterstützung des Klimaschutzes durch die samtgemeindeeigene HaseEnergie (z. B. Strom aus regenerativen Quellen, Photovoltaik), und auch darauf, dass sich die Samtgemeinde auf den Weg gemacht habe, einen Klimaschutzmanager einzustellen. Er regte zudem an, eine „Zukunftswerkstatt“ einzurichten, um gemeinsam zu erarbeiten, wie noch mehr getan werden könne.

Und noch ein Politiker, der zu den Demonstranten stieß: Michael Johanning, Gemeinderat in Kettenkamp und Samtgemeinderat.

Anna Kebschull beklagte, dass in der Politik viel Zeit vergeudet werde mit gegenseitigen Vorwürfen und dass zu wenig in Sachen Klima- und Umweltschutz geschieht. Als aktuelles Beispiel verwies sie darauf, dass zwischen landwirtschaftlichen Flächen und Gewässern nur ein Schutzstreifen von 1 m eingerichtet werden soll. Das sei zu wenig. Bersenbrücks Bürgermeister Christian Klütsch schaute schon zu, als sich die Schülerinnen und Schüler im Hemke-Stadion versammelten. Das sei, antwortete er auf eine Frage von klartext, eine „gute Aktion“.

Machten klare Ansagen: Die Schülervertreter des Gymnasiums und der Von-Ravensberg-Schule. Links oben die beiden Hauptredner der Demo: Sebastian Kleine-Kuhlmann und Lars Biesenthal aus Osnabrück.

 

Flotten Schritts unterwegs. Anstandsregeln.

Bei dem Sauseschritt, den die Schülerinnen und Schüler bei ihrem Weg vom Hemke-Stadion zum Samtgemeinderathaus drauf hatten, dürfte das einer der schnellsten Demo-Züge gewesen sein. Interessant auch, wie intensiv sich die Schülervertreter für einen ordentlichen Ablauf einsetzten. „Benehmt Euch anständig“, bekamen die Versammelten im Hemke-Stadion zu hören“. Und kurz vor Abschluss der Aktion beim Rathaus die Mahnung: Verlasst den Platz sauberer, als ihr ihn vorgefunden habt; hebt euren Müll auf; werft keine Plakate in die Gegend; man engagiere sich schließlich nicht nur für den Klimaschutz, sondern auch für den Umweltschutz.

Trotz des ziemlich fies-kalten Wetters war eine recht große Runde zusammengekommen.

 

„Wir sind die letzte Generation, die einen katastrophalen Klimawandel noch verhindern kann“.

Was die Bewegung will, in die sich nun auch Bersenbrücker einreihten, vermittelt die Webseite https://fridaysforfuture.de. „Wir sind junge Menschen und streiken freitags in ganz Deutschland, um gegen die aktuelle Klimapolitik zu protestieren“, heißt es dort. Und weiter: „Der Klimawandel ist längst eine reale Bedrohung für unsere Zukunft. Wir werden die Leidtragenden des Klimawandels sein. Gleichzeitig sind wir die letzte Generation, die einen katastrophalen Klimawandel noch verhindern kann.“

Ein langer Zug: Vom Hemke Stadion am Schwimmbad entlang zur Stadtmitte.

Dass man die Schule schwänze – dieser Vorwurf wurde bei der Bersenbrücker Demo vom Schüler Lorenz entschieden zurückgewiesen. Etwas zu sagen hatten auch noch 2, 3 weitere. Das kürzeste Statement war: „Ihr habt unsere Zukunft verschissen“. Etwas drastisch ausgedrückt fand das Sebastian Kleine-Kuhlmann. Greta Thunberg, mit der alles begann, mahnte vor einigen Wochen bei der Europäischen Kommission in Brüssel mit den etwas wohlgesetzteren Worten: „Mit jedem Tag, der ungenutzt verstreicht, setzt ihr unsere Zukunft aufs Spiel!“.

Machten beste Miene zu einem ernsten Anliegen.

Dass die Schule geschwänzt wird, ist nicht der einzige Vorwurf. Bei so mancher Kritik an den jungen Klima-Aktivisten schwingt auch mit, die jungen Leute wüssten nicht gut genug, wovon sie reden. Haltbar ist das, was die auch in Bersenbrück erhobene Forderung nach einem schnelleren Kohleausstieg angeht, jedoch nicht, denn die Fridays-for-Future-Bewegung kann sich auf Wissenschaftler berufen.

Vom Hemke-Stadion durch die Bramscher Strasse zum Samtgemeinderathaus.

Nach dem jüngsten Bericht des Weltklimarats IPCC von 2018 müssten weltweit alle Staaten ihre Co2-Emmissionen bis 2030 um mindestens 45 % reduzieren, um die globale Erwärmung noch auf ein erträgliches Maß runterzudrücken. Um dieses Ziel zu erreichen, müsste Deutschland bis spätestens 2030 aus der Kohle aussteigen. Und hier noch einige weitere Bild-Impressionen:

 

 

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